Die Demokratie hat sich in unserem Land keineswegs in einer geradlinigen Erfolgsgeschichte durchgesetzt. Vielmehr war für den deutschen Demokratisierungsprozess seit dem 19. Jh. kennzeichnend, dass er im europäischen Vergleich ungleichzeitig verlief: Ein demokratisches Wahlrecht wurde zwar vergleichsweise früh eingeführt, während sich das parlamentarische Regierungssystem hierzulande erst spät durchsetzte. Im 20. Jh. steht wiederum die Weimarer Republik (1918–1933) für das folgenreiche Scheitern der parlamentarischen Demokratie, die letztlich stabile und funktionsfähige Bonner Republik (1949–1989/ 90) hingegen für die „geglückte Demokratie“ (Edgar Wolfrum) des Grundgesetzes.

Diese positive Entwicklung nach 1945 war allerdings nicht zwangsläufig. Dass eine erneute Katastrophe aus-blieb, ist nach wie vor erklärungsbedürftig; immerhin stellte die nationalsozialistische Diktatur den Ausgangspunkt der deutschen Nachkriegsgeschichte dar. Zugleich handelt es sich bei der Demokratie in Deutschland um eine Geschichte mit offenem Ausgang: Die Berliner Republik ist vielfältigen neuen Herausforderungen und Bewährungsproben ausgesetzt.

Die Veranstaltung vermittelt aus dem Blickwinkel der Demokratie einen Überblick über die deutsche Geschichte seit dem 19. Jh. bis in die Gegenwart, wobei die wechselhaften Geschehnisse des 20. Jh. den Schwerpunkt bilden.

Dabei stehen einerseits zentrale ereignisgeschichtliche Wegmarken – so die Jahre 1918/ 1919 oder 1949 – im Mittelpunkt; andererseits soll es aber gerade auch um längerfristige Wandlungs- und Lernprozesse gehen, wie die Einübung von demokratischen Verhaltensregeln, den Einfluss von äußeren Akteuren (z.B. von Besatzungsmächten) oder die Wiederanknüpfung an ältere demokratische Traditionsbestände.

Der Referent ist Akademischer Rat am Lehrstuhl für Neuere und Neueste Geschichte der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg.

Leitung: Dr. Arvid Schors, Freiburg
Termin: 01.03.2019
Kursnummer: 026
Uhrzeit:

Freitag 16–21 Uhr

Kursgebühr: 15 €
Abendessen: 12 € (in der Pause)

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