Von der Privatvilla zur Bildungseinrichtung

Altersruhesitz

Als das herrschaftliche Haus 1896/7 von Rudolf Henneberg, Fabrikant und Kommerzienrat aus Berlin, erbaut wurde, war Littenweiler noch ein selbständiges Dorf mit etwa tausend Einwohnern. Hennebergs Frau Johanna, geb. von Böckh, stammte aus Freiburg. Das war wohl ausschlaggebend für die Wahl des Norddeutschen, sich hier am Hang über dem Dreisamtal auf dem Gelände des ehemaligen Pfisterhofs, der einige Jahre zuvor abgebrannt war, einen Altersruhesitz zu erbauen: ein stattliches Anwesen mit eigener Quelle für die Wasserversorgung, Wirtschaftsgebäuden, Stallungen, Remisen und einer prächtigen Toreinfahrt. Es war umgeben von einem weitläufigen Park, in dem zahlreiche auch exotische Bäume gepflanzt wurden.

Am Giebel des Hauses sind heute noch die Wappen der Erbauer zu sehen: eine Henne auf einem Berg und ein springendes Böckchen. Daneben in gotischen Ziffern die Jahreszahl 1897. In seiner baulichen Anlage zeigte sich die Verteilung von Wohnbereich der Besitzer und Arbeitsbereich des Personals.

Sanatorium

Berufliche Gründe waren es, die den Erbauer veranlassten, schon 1900 wieder nach Berlin zurück zu kehren, wo er zeitweise Reichstagsabgeordneter war. Er verkaufte das gesamte Anwesen an den jungen Arzt Dr. Ernst Beyer, der hier noch im gleichen Jahr ein Sanatorium eröffnete. In den folgenden Jahren baute er weitere Räume an, gestaltete den Park zu seinen Zwecken um und hatte offenbar weit reichende Pläne, die sich jedoch nicht verwirklichen ließen. 1908 verkaufte Dr. Beyer das Haus, behielt allerdings einen Großteil des Grundstücks in seinem Besitz.

Sommersitz

Der neue Eigentümer des Waldhofs war Dr. Franz Karl Wilhelm Gaeß. Der Chemiker, Gutsbesitzer und Ritter des Badischen Ordens vom Zähringer Löwen stammte aus einer angesehenen Freiburger Familie. Seine Schwester war mit Bernhard von Böckh verheiratet. Von daher besteht möglicherweise eine verwandtschaftliche Beziehung zu Henneberg. Das Anwesen diente Gaeß offenbar als Sommersitz. Es wird auch berichtet, im Ersten Weltkrieg sei die für damalige Zeiten moderne Zentralheizung eingefroren und nicht mehr repariert worden, was den Aufenthalt im Winter wohl ziemlich unwirtlich machte. Gaeß starb 1915, das Haus blieb bei seiner Frau und deren drei Töchtern, die dort in den Sommermonaten Empfänge gaben, sich aber offenbar wenig um den Erhalt der Bausubstanz kümmerten.

Krankenhaus

1941 war das Haus schließlich in sehr schlechtem Zustand und stand erneut zum Verkauf. Wilhelm Maier aus Schwenningen erwarb es für seinen Sohn Otto, der als Kaufmann in Shanghai lebte und wieder in seine Schwarzwälder Heimat zurückkehren wollte. Doch in diesem Jahr wurde die unbewohnte Villa zunächst für Kriegszwecke beschlagnahmt und im November als Hilfskrankenhaus in Betrieb genommen. Sie gehörte zur Universitäts-Hautklinik. Ein Mietvertrag vom 8.11.1941 gibt einen Gebäudebeschrieb: zum Haus gehörten u.a. ein Treibhaus, ein Eiskeller und Frühbeete; auch von einem Ökonomiegebäude ist die Rede. Diese Anlagen wurden an einen Gärtner verpachtet. Die Nutzung als Krankenhaus dauerte über das Kriegsende hinaus.

Zentrum für Erwachsenenbildung

1950 bot Otto Maier den Waldhof zum Verkauf an. Diesmal interessierte sich Dr. Joseph Epp, später Ministerialdirigent des Kultusministeriums Baden-Württemberg, dafür. Zusammen mit seiner Frau Eleonore und anderen hatte er bereits 1948 auf Schloss Ortenberg ein Heim für Jugend- und Volksbildung gegründet, um der Erwachsenenbildung, die durch den Krieg einen herben Rückschlag erlitten hatte, neue Impulse zu geben, Volkshochschulen und Bildungswerke wieder aufzubauen. Nach skandinavischen und Schweizer Vorbildern entstand dann das "Volksbildungsheim Freiburg e.V.", das 1951 im verblichenen Glanz der alten Villa offiziell eröffnete. Der bei der Eröffnung anwesende südbadische Innenminister Schühli meinte, als er das Haus sah, so etwas wolle er nicht einmal geschenkt haben!

Mit viel Elan und noch mehr Idealismus machten sich die Gründer ans Werk und schufen in wenigen Jahren ein Zentrum freier Erwachsenenbildung, in dem u.a. das Sekretariat der südbadischen Volkshochschulen seinen Sitz hatte. Bis in die 80er Jahre war der Waldhof zudem Zentrum der Lehrerfortbildung für das Oberschulamt Freiburg. 1984 wurde im Park an der Waldhofstraße ein Gästehaus errichtet.

Die hier zusammengestellten Fakten wurden von dem Lokalhistoriker Rolf Süß recherchiert.