Kurs  063
05.06. - 08.06.2017

Prof. Dr. Dr. Claus-Artur Scheier, Braunschweig

SchopenhauerDie Welt als Wille und Vorstellung I, § 52

Ein philosophisches Lektüreseminar

in Zusammenarbeit mit www.literaturferien.de

Thomas Mann bezeichnet Schopenhauers Hauptwerk als eine “viersätzige Symphonie”, die Musik werde „gefeiert, wie kein anderer Denker es je getan – einen völlig besonderen Platz weist er ihr nicht neben, sondern über den andern Künsten zu, weil sie nicht, wie diese, Abbild der Erscheinung, sondern unmittelbar Abbild des Willens selbst sei und also zu allem Physischen der Welt das Metaphysische, zu aller Erscheinung das Ding an sich darstelle“.

Der Text erläutert zunächst das für Schopenhauers Philosophie grundlegende Verhältnis von Wille und Vorstellung und gibt zuletzt einen Ausblick auf die davon untrennbare Ethik des Mitleids. Den Übergang macht ein radikal neuer Begriff von Musik, der für die Moderne des 19. Jahrhunderts wegweisend wurde und ohne den Richard Wagner so wenig zu verstehen ist wie etwa Thomas Mann. Auch er hatte verinnerlicht, warum Schopenhauer der Musik „einen völlig besonderen Platz“ zuweist „nicht neben, sondern über den andern Künsten“  weil sie „nicht, wie diese, Abbild der Erscheinung“ sei, sondern „zu allem Physischen der Welt das Metaphysische“ darstelle.

Während die klassische Kunst eine ästhetische Offenbarung der göttlichen Produktivität war (für die heute noch die Musik Bachs ins Spiel gebracht wird), ist sie für Schopenhauer zur bloßen Reproduktion geworden. Denn das menschliche Dasein, sieht er unmittelbar zu Beginn der industriellen Revolution, sei „ein stetes Leiden und teils jämmerlich, teils schrecklich“. Hingegen „als Vorstellung allein, rein angeschaut, oder durch die Kunst wiederholt, frei von Qual“, gewähre es „ein bedeutsames Schauspiel“. Das liegt daran, dass das von Thomas Mann zitierte „Metaphysische“ ein blinder Wille ist, der „an sich selber zehren muß, weil außer ihm nichts da ist und er ein hungriger Wille ist. Daher die Jagd, die Angst und das Leiden“. Und diesen Willen, der „als Vorstellung allein“ gegenstandslos geworden und also für einen Augenblick gesättigt ist  ihn repräsentiert die sublimste, weil die gegenstandslose Kunst: die Musik, von allen Täuschungen über die Welt die schönste. Und doch erlöst auch sie den Künstler (und Richard Wagner oder Thomas Mann wussten es) „nicht auf immer, sondern nur auf Augenblicke vom Leben, und ist ihm so noch nicht der Weg“ hinaus, „sondern nur einstweilen ein Trost in demselben, bis seine dadurch gesteigerte Kraft, endlich des Spiels müde, den Ernst ergreift“.

Wir werden den ganzen Paragraphen gemeinsam lesen, interpretieren und diskutieren.

Textgrundlage:
"Schopenhauer und die Musik" in: Die Welt als Wille und Vorstellung I, § 52

 

Der Dozent: Prof. Dr.med. Dr. phil habil. Claus-Artur Scheier, geb. 1942, Studium der Medizin, Psychologie und Philosophie in Freiburg und Hamburg. Med. Promotion 1968, Approbation 1970, phil. Promotion 1972, phil. Habilitation 1979, seit 1982 Professor für Philosophie an der TU Braunschweig.
Mehrere Bücher und zahlreiche Aufsätze mit den Schwerpunkten klassische Philosophie, deutscher Idealismus, antimetaphysisches Denken des 19. und 20. Jahrhunderts, Philosophie der Kunst

Seminarzeiten:
1. Tag: 16–18 / 19.3021 Uhr
2. Tag: 9.30–10.30 / 11–12 Uhr und 19.30–21 Uhr
     nachmittags besteht Gelegenheit, Freiburg zu
     erkunden
3. Tag: 9.30–10.30 / 11–12 Uhr und 16–18 Uhr
4. Tag: 9.30–10.30 / 11–12 Uhr

Kursgebühr: 160 €

Unterkunft und Verpflegung:
im EZ/Waschbecken mit Etagendusche/WC: 192 €
im EZ/DU+WC: 240 €
im DZ/DU+WC: 216 €

In Kooperation mit  www.literaturferien.de 
Annegret Wolfram
(0711-23 678 13)

 

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